Zug ref. Kirche 1995/III/35

Die 1906 nach Plänen von Friedrich Wehrli erbaute ref. Kirche Zug ist im historistischen Baustil der Neo-Romanik ausgeführt. Schon bei der ersten Renovation 1931 wurden die bunten Ornamentmalereien, Gewölbegurten und Konsolen abgeschlagen und der gesamte Kirchenraum "purifiziert". Die zweite Renovation 1968 brachte eine Umorientierung der Haupt-Ausrichtung von West nach Nord. Mit der dritten Restaurierung 2004-2005 sollte ein neuer harmonischer Gesamtausdruck erreicht werden, unter Berücksichtigung des ursprünglichen formalen und farblichen Gestaltungskonzepts. Die Frontalausrichtung nach Westen wurde wiederhergestellt, ebenso die "Kanzelwand" unter der Sänger- und Orgel-Empore. Auch die Ornamentbänder und die Farbigkeit wurden anhand von originalen Spuren rekonstruiert.

Die erste Orgel von 1906 (Kuhn, 16 Register) wurde 1970 ersetzt durch ein Werk mit 21 Registern (Walcker). 1988 entschied der Kirchenrat, eine neue Orgel anzuschaffen und ein entsprechendes Auswahlverfahren zu starten, welches zur Auftragserteilung an unsere Firma führte. Der Entwurf von Jakob Schmidt nimmt formale Aspekte der Raumschale auf und schafft dennoch einen ganz besonderen Orgelprospekt: Wie die Disposition weckt auch die Anordnung der Pfeifenfelder sofort Assoziationen an eine klassisch französische Aufstellung durch die charakteristische Abwechslung von dreidimensionalen Türmen und flachen Zwischenfeldern. Die individuelle Ausgestaltung mit der Verbindung aus konvexen und konkaven Wölbungen, dem schwungvollen Labienverlauf und den schlichten Schleierbrett-Abschlüssen verleiht dem Orgel-Gehäuse aus Ahornholz sein elegantes und einzigartiges Erscheinungsbild.

Die Disposition mit 35 Registern auf 3 Manualen und Pedal ist klar französisch inspiriert, von der sog. "Klassik" über die romantisch-symphonischen Klänge bis zu gewissen Aspekten der "Orgelreform". Besonders erwähnenswert sind die Grosse Terz (auf 16'-Basis) im Hauptwerk, der Grand Bourdon 32' des Pedals oder die charaktervollen Klangfarben z.B. der Doppelflöte 8' oder der Clarinette 8' im II. Manual. Das dynamisch sehr effektive Schwellwerk bietet alle "obligatorischen" Register eines französischen Récit à la Franck oder Widor.

Die sich drehende filigrane Kugel auf dem Mitteltürmchen bewegt sich zum glitzernden Zimbeln der feinen Klangstäbe (Carillon) im Innern der Orgel. Zu besonderen Gelegenheiten erklingt der kunstvolle Gesang der Nachtigall (Rossignol) . . . . .

Hauptwerk I

Bourdon16'
Montre8'
Flûte à cheminée8'
Flûte douce8'
Prestant4'
Grosse Tierce3 1/5'
Nazard2 2/3'
Doublette2'
Fourniture2'
Trompette8'

Positif II

Bourdon8'
Flûte double8'
Principal4'
Flûte4'
Quinte2 2/3'
Octave2'
Tierce1 3/5'
Cymbale1 1/3'
Clarinette8'
Tremblant doux

Récit III

Flûte harmonique8'
Cor de nuit8'
Gambe8'
Voix céleste8'
Flûte octaviante4'
Octavin2'
Trompette harmonique8'
Basson-Hautbois8'
Voix humaine8'
Clairon4'
Tremblant fort

Pedal

Grand Bourdon32'
Soubasse16'
Flûte8'
Flûte4'
Bombarde16'
Trompette8'