Mainz Hoher Dom - Orgelwerk an der Marienkapelle 2020/IV/49

Im Mainzer Dom erklingt bereits seit sieben Jahrhunderten Orgelmusik zur Freude der Menschen und zum Lob Gottes. Nun ist ein Domorgel-Neubau dringend notwendig geworden. Um dabei die Qualität des Instruments mit der kunsthistorischen und liturgischen Bedeutung der altehrwürdigen Jahrtausendkathedrale in Einklang bringen zu können, haben Spezialisten verschiedener Disziplinen seit vielen Jahren über einen Neubau der Domorgel-Anlage nachgedacht. Nach zahlreichen Entwürfen, Symposien, Akustikgutachten, Klangproben und mehrstufigen Wettbewerben konnte sich schließlich das Konsortium der international renommierten Orgelbauwerkstätten Rieger (Schwarzach/Österreich) und Goll (Luzern/Schweiz) durchsetzen.

Bereits um 1630, als es nachweislich vier Orgeln an unterschiedlichen Stellen des Domes gab, wusste man, dass eine Beschallung des doppelchörigen, fünfschiffigen Martinsdoms von lediglich einem Standort aus nicht zufriedenstellend möglich sein kann. Das Projekt sieht eine dreiteilige Anlage vor: zwei der bisherigen Standorte werden weiterhin genutzt mit den Schwerpunkten Chorbegleitung (Teilwerk im Westchor) und als symphonisch angelegte Hauptorgel (Teilwerk im Ostchor). Der dritte Standort ist neu und durchaus spektakulär: über dem neu gestalteten Windfang des Eingangs am Marktportal und quasi vis-à-vis des bekannten gotischen Marienaltars hängt auf einer im Gewölbe verankerten Stahlplattform das Instrument mit einem eigenen mechanischen Spieltisch. Auf kleinem Raum sind 49 Register untergebracht, die primär für die Gemeindebegleitung und für die polyphone Literatur ausgelegt sind. In unmittelbarer Nähe zu den Zuhörern wird dieses Teilwerk einerseits zur Klarheit und guten Verständlichkeit des musikalischen Geschehens beitragen, andererseits die beiden anderen fast 100 Meter auseinanderliegenden Teilwerke klanglich miteinander verbinden. Den Prospekt-Entwurf zeichnete Prof. Thomas H. Schmitz (Aachen).

Im Verlauf des Jahres 2019 ist in der Luzerner Orgelbau-Werkstatt Goll das Teilwerk an der Marienkapelle entstanden: 3'508 Pfeifen in Holz und Metall, unzählige filigrane Mechanik-Teilchen und eine stabile Gehäusekonstruktion fügen sich zu einem riesigen komplexen Wunderwerk. Im Frühjahr 2020 beginnt die Montage vor Ort, gefolgt von der Intonation (klangliche Anpassung aller Pfeifen an die Akustik). Voraussichtlich im September 2020 soll das Teilwerk an der Marienkapelle zum ersten Mal öffentlich erklingen.

Das Gesamtprojekt wurde in einer Koproduktion zwischen Orgelbau Goll und Orgelbau Rieger konzipiert und geplant. Nach Abschluss dieses 1. Bauabschnitts (Goll, 49 Reg.) folgen in den nächsten Jahren die beiden weiteren Bauabschnitte durch Rieger: Ostchor (95 Reg.) und Westchor (62 Reg.). Insgesamt erhält die neue Mainzer Domorgel 206 Register und 4 Spieltische (an jedem Orgel-Standort plus Konzertspieltisch).

 

Sponsorenbroschüre

 

Hauptwerk I

Praestant16'
Principal8'
Gamba8'
Rohrflöte8'
Octave4'
Gemshorn4'
Grossterz3 1/5'
Quinte2 2/3'
Superoctave2'
Cornet8'
Mixtur1 1/3'
Fagott16'
Trompete8'

Positiv II

Bourdon16'
Salicional8'
Gedackt8'
Flauto amabile8'
Principal4'
Flauto dolce4'
Sesquialtera2 2/3'
Flageolet2'
Larigot1 1/3'
Scharff1'
Dulcian8'
Vox humana8'
Tremulant

Schwellwerk III

Rohrflöte16'
Holzgedackt8'
Quintadena8'
Traversflöte8'
Fugara4'
Rohrflöte4'
Nasat2 2/3'
Schweizerpfeife2'
Terz1 1/5'
Corona2'
Trompete8'
Oboe8'
Tremulant

Pedal

Untersatz32'
Principalbass16'
Violone16'
Subbass16'
Octavbass8'
Violoncello8'
Choralbass4'
Hintersatz2 2/3'
Posaunenbass16'
Choraltrompete8'
Klarine4'

Manual IV

Crotales (Klangscheiben)