Jaun Cantorama 2011/I/7

Die alte romanische Kirche von Jaun wird urkundlich erstmals 1228 erwähnt. Der heutige Turm und der Chorbereich stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, während das Schiff 1808-10 neu aufgebaut wurde. Nach dem Neubau der grösseren Pfarrkirche 1910 wurde die alte Kirche verlassen. Zunehmend verlotterte das Gebäude und war schliesslich kurz vor dem Abriss. Die zur Erhaltung gegründete Stiftung „Cantorama“ ermöglichte dann eine sorgfältige Restaurierung, so, dass die Kirche heute als kulturelles Zentrum eine grosse Ausstrahlung hat. Als „Haus des Gesangs“ bietet das Cantorama den Freiburger Chören einen wunderbaren Raum für Konzerte, Probenwochenenden, Kurse und Seminare. Eine eigene Konzertreihe rundet das vielseitige Programm ab. Website: www.cantorama.ch

Als wir auf dem Kirchenestrich der neuen Kirche Jaun zum ersten Mal die eingelagerten Einzelteile der historischen Orgel aus der alten Kirche untersuchen durften, war sofort klar, dass es sich um ein ganz besonderes Projekt handelt. Zwar fehlten viele Elemente, wie z.B. fast das gesamte Pfeifenwerk und die Mechanik. Die vorhandenen wertvollen Orgelteile jedoch liessen die ursprüngliche Gestalt des Instruments erahnen. Nach genauer Untersuchung und Ausmessen aller Teile wurde ein erstes Rekonstruktionskonzept erarbeitet. Im Verlauf der Arbeiten in der Orgelbauwerkstatt konnten aufgrund von Spuren viele Vermutungen bestätigt werden. Andere Annahmen hingegen mussten revidiert werden. 1786 wurde das Instrument erbaut und in der damals noch kleineren Kirche aufgestellt. Die einmanualige Orgel hatte 6 Register mit einem Klaviaturumfang von C bis c3 (49 Tasten). Das Pedal hatte keine eigenen Pfeifen, sondern spielte über eine Ventilkoppel die Pfeifen des Manualwerks an. Es sind 15 Pedalventile in der Manualwindlade vorhanden, so dass der Umfang der Pedalklaviatur von C bis d° gewesen sein muss. 1810 wurde das Kirchenschiff erweitert und wir gehen davon aus, dass bei der Umsetzung der Orgel an den neuen Standort auf der doppelstöckigen Empore ein Umbau des Instruments erfolgte. Sicher musste die Balganlage an die neue Situation angepasst werden. Es wurde aber bei dieser Gelegenheit auch in die Konzeption des Instruments eingegriffen (Erweiterung des Klaviaturumfangs bis f3, Dispositionsänderungen).

Bei der Rekonstruktion des Instruments haben wir uns in Absprache mit allen Verantwortlichen für die ursprüngliche Situation von 1786 entschieden, da dieser Zustand am klarsten ablesbar war. Einzig im Bereich des Pedals wurde die spätere Situation mit eigenständiger Windlade anvisiert. Somit konnten die noch vorhandenen grossen Holzpfeifen wiederverwendet werden und das Pedal hat dadurch eine zusätzliche Klangfarbe, was für den praktischen Gebrauch wesentliche Vorteile mit sich bringt.

Publikation zur Einweihung

Manual

Bourdon8'
Prestant4'
Flöten4'
Nasard3'
Dublet2'
Furnitur1'

Pedal

Octav-Bass8'